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Transgermania 1200km NoN StoP

Deutschland Süd-Nord-Durchquerung 1200km in ~46 Stunden

46 Stunden … können verdammt lang sein … 1130 km können verdammt lang sein … 8.500 Höhenmeter können verdammt viel sein …

... alles zusammen ergibt eine Radtour quer durch Deutschland von Süd nach Nord, von der Zugspitze ans Kap Arkona auf Rügen. Ein Rekordversuch.

Es ist noch früh am Tag – sechs Uhr. Nur widerwillig öffne ich meine Augen. Halb wach wird mir bewußt, was es für ein Tag ist. Es ist der Tag, an dem ich versuchen werde unter 48 Stunden 1200 km mit dem Rad zurückzulegen – non stop. Gegen sieben Uhr habe ich die Ausrüstung komplett und ins Auto gepackt. Ich hole meine Trainerin Andrea von `Trisource´ zu Hause ab – sie wird mich während der Tour ebenfalls begleiten, meine Beine massieren und auf meinen körperlichen Zustand achten. Halb acht fahren wir in Richtung Zugspitze, an der wir eine Stunde später auf einem gähnend leeren Parkplatz unter wolkenverhangenen Bergen ankommen. Der höchste Berg Deutschlands selbst zeigt sich nicht, versteckt sich hinter Nebelschwaden. Bis zehn Uhr bereite ich mein Material und mich selbst mental vor. Andrea richtet das Begleitfahrzeug so ein, daß während der Fahrt an alle wichtigen Dinge heranzukommen ist. 10 Uhr – Startschuß. Mein Puls rast… die Aufregung läßt mich unruhig treten. Das gibt sich nach den ersten Kilometern und irgendwann stellt sich ein wenig Ruhe ein. Immer hinter mir ist Andrea im Begleitfahrzeug, aus dem mir Riegel und Trinkflaschen gereicht werden, wann immer ich etwas brauche - ich bin nie wirklich allein. Außerdem muntern mich Andrea immer wieder mit einem lockeren Spruch oder sonstigen witzigen Einfällen auf. Pausen machen wir die ersten Stunden nicht.

Irgendwann gesellt sich ein Triathlet zu mir, der mir ungläubig bestätigt, daß ich da ja noch einiges vor hätte. Es ist 16 Uhr, wir sind auf Höhe von Kehlheim. Ein Stück lang begleitet er mich, ein wenig Abwechslung tut gut. Kurz darauf bin ich wieder allein.

Ab Amberg stößt dann Mike vom Team Waldpark Vogtland zu mir, der mich bis auf den Fichtelberg begleiten wird. Seine Freundin Babett folgt uns im Auto. Auch meine Schwester und ihr Mann tauchen irgendwann an der Strecke auf, schießen Fotos und rufen mir einige motivierende Worte zu.

Nicht lange nach dem Trosszuwachs macht mein rechter Schuh Probleme. Ich entschließe mich kurz anzuhalten und ihn zu wechseln. Im Begleitgolf wird die fehlende Schraube an der Schuhplatte ersetzt und bei einem zweiten kurzen Stop bekomme ich den „alten“ Schuh zurück.

Die Stunden scheinen zu verfliegen, trotzdem versuche ich den Gedanken an die unzähligen Stunden und Kilometer, die noch vor mir liegen zu verdrängen. Gegen 21 Uhr wird in einem wenige Minuten dauernden Boxenstopp die Beleuchtung befestigt, Ärmlinge und Knielinge angezogen … ich mache mich sozusagen bettfertig. So fahren wir in die Nacht hinein … langsam umhüllt uns die Dunkelheit, kurz vor elf ist dann auch der letzte Lichtschein verschwunden. Lediglich einige Midsommerfeuer leuchten am Horizont.

Seit etwa 19 Uhr machen mir die Anstiege des Fichtelgebirges zu schaffen, danach rauben mir die vogtländischen Berge meine Kraft ... mit lauten Beats aus dem Begleitgolf geht es in der Dunkelheit die Berge hoch. Der letzte Anstieg zum Fichtelberg ist verdammt lang und steil und fordert nochmals alle Kräfte. Es dämmert und hinter mir pulsieren rhythmisch die Bässe aus dem Auto … treten, treten, treten …. Punkt vier Uhr morgens erreiche ich die 1214m hoch gelegene Spitze des Berges. „Ich bin so breit“ kommt mir noch über die Lippen, dann steige ich erstmal vom Rad. 18 Stunden, 511 Kilometer und 5.500 Höhenmeter liegen hinter mir … erschöpft, einfach nur müde und erschöpft … es ist kühl – nur acht Grad zeigt das Thermometer. Andrea läuft rüber zum Fichtelberghaus und schafft es tatsächlich um diese Zeit jemanden zu motivieren an die Türe zu kommen. Wir können in der angenehm warmen Lobby unser Lager aufschlagen. Schnell sind die wichtigsten Dinge hereingeräumt, die Massageliege aufgestellt und ehe ich mich versehe, werden meine Beine durchgeknetet. Mit einem Schlafsack bewaffnet, versuche ich dann auf der Holzbank in der Lobby ein wenig zu schlafen, das gelingt nur leider nicht sonderlich gut. Andrea und Babett bleiben die ganze Zeit wach, räumen die Autos auf, füllen Flaschen nach … reden, schweigen und genießen einen traumhaft schönen Sonnenaufgang auf dem höchsten Berg im Erzgebirge. Die Stille des erwachenden Tages hält bis kurz nach sechs Uhr morgens. Dann kommt langsam Leben auf. Ich bin auch wach. Mein Magen ist ein wenig verstimmt, meine Beine kann ich gut spüren aber sonst geht es mir ganz gut. 

Nach und nach kommen immer mehr Menschen zum Startort des 6. Fichkona. Ich melde mich ebenfalls an und werde gemeinsam mit einigen (fast) Gleichgesinnten die restlichen 601km bis zum Kap Arkona bestreiten.

Neu hinzugekommen sind Rene und Maik vom Team Waldpark Vogtland. Auch sie fahren den Fichkona mit. Teamchef Thomas Ebert, Rene`s Freundin Grit und Andrea begleiten uns neben den offiziellen Begleitfahrzeugen in einem VW Bus.

Es ist wieder zehn Uhr morgens, wieder fällt ein Startschuß, wieder sitze ich auf dem Rad – wieder liegen fast ein ganzer Tag und mehrere hundert Kilometer vor mir.

Dieses Mal werde ich mich nicht wie 2003 in der Spitzengruppe einordnen. Ich reihe mich in der ca. 45 Mann starken zweiten Gruppe ein. Bloß nicht stürzen, denke ich mir während der langen und rasanten Abfahrt den Fichtelberg hinab. Nach rund 190 Kilometern erreichen wir Wittenberg – es ist 16:30 Uhr. Auch die zweite Gruppe legt ein ziemlich hohes Tempo an den Tag und ich muß an den Bergen kämpfen, um mitgehen zu können. Aller drei Stunden legen wir eine zehnminütige Pause ein – schnell etwas essen, Flaschen auffüllen und die müden Beine ein wenig dehnen – dann wieder auf`s Rad und weiter - weiter eben, als wäre es das normalste der Welt. Bis es wieder dunkel wird – zum zweiten Mal. Es ist ca. 23 Uhr. Plötzlich kommt sie die Dunkelheit und mit ihr extreme Müdigkeit. Ich muß mich dazu zwingen, die Augen offen zu halten, scharf zu sehen. Die Rücklichter der anderen Radfahrer flimmern vor mir wie ein Schwarm roter Glühwürmchen – ein Gedanke kreist in meinem Kopf „Ich muß mich beherrschen, aufpassen!“ Per Handy bekomme ich immer wieder Grüße und Motivation zugesendet, auch der Small Talk mit den anderen lenkt mich ein wenig ab und hält mich wach – zumindest phasenweise. Manchmal kann ich lange Zeit einfach nicht reden, will meine Ruhe, will mit mir allein sein.

Trotz des welligen Profils der Strecke wird immer noch ein hohes Tempo gefahren – gut 35km/h im Schnitt, das kostet viel Energie. Rene, der ebenfalls in meiner Gruppe fährt, läßt sich öfter zum Begleitbus zurückfallen, um mir Verpflegung zu holen.

Es ist halb vier Uhr morgens, es dämmert und die ersten Sonnenstrahlen durchbrechen die kräfteraubende Nacht … endlich. Die letzten Stunden brechen an. Stralsund liegt bereits hinter uns, der Rügendamm vor uns. Die letzte Verpflegungsstation ist gute 60 Kilometer vor dem Ziel – die letzte Pause, ein letztes Mal Trinkflaschen auffüllen, essen mag ich nichts – ich kann die Riegel und Gels nicht mehr sehen. Rene fühlt sich gut und verabschiedet sich zusammen mit einigen anderen, um noch einmal Tempo zu machen.

Tick tack … die Kilometer schrumpfen unter meinem Rad dahin … keiner weiß allerdings, wie viele es genau noch sind … Unsicherheit … wie lange noch!? Zwei Kopfsteinpflasterpassagen rufen jeden einzelnen Muskel in meinem Körper wach, es schmerzt.

Dann ist er in Sicht. Ganz relaxed, aber innerlich euphorisch nehme ich die kleine Anhöhe zum Leuchtturm hinauf. Endlich der Leuchtturm! 8:10 Uhr es ist geschafft, jetzt steige ich endgültig vom Rad, setze mich auf einen Stuhl und realisiere langsam, was ich in den letzten beiden Tagen hinter mich gebracht habe. Ich bin am Meer, an der Ostsee auf Rügen – am Kap Arkona!

Es werden noch ein paar Fotos geschossen, dann fahren wir in Richtung „Schlaflager“ – eine Turnhalle in Altenkirchen. Dort gibt es für meine müden Beine noch eine Massage, schon während dessen schlafe ich dauernd ein. Kurz nach zwölf legen wir uns auf die Wiese vor der Halle und gönnen uns ein paar Stunden Schlaf. Mit gepacktem Auto fahren wir Richtung Nobbin - den obligatorischen Strandbesuch lassen wir uns nicht nehmen. Nach einer wohlverdienten Pizza, fahren wir gegen neun los – Richtung Heimat. 

Ein solch extremer Marathon ist jedoch nicht ganz allein machbar. Ein erstklassiges Begleitteam ist ein Muss. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei Euch allen für Eure Unterstützung danken. Der Support von Thomas während des Events nicht nur hinter dem Lenkrad; Andrea (TriSource) an der Massagebank; die Unterstützung von Antje, Michael und meiner Mum bei der Vorbereitung; Rene und Maik während des Fichkonas und nicht zuletzt die 9h im Wind von Mike machten das Gelingen des Unternehmens erst möglich!!! Ich hoffe Ihr hattet alle ein mindestens so interessantes Wochenende wie ich - und würde mich freuen wenn Ihr mich bei den nächsten Events wieder unterstützen würdet.

 

DIE FAKTEN:

Gesamtkilometer: 1130km

Gesamthöhenmeter: 8.500hm

Fahrzeit: 46h 10min

Durchschnittgeschwindigkeit: 29,9km/h

Vmax: 90,4km/h

verbrauchte Kalorien 25.000Kcal

Power Bar: 15 Stück

Power Bar Gel: 13 Stück 

Iso-Getränke: 24l

Red Bull: 7 Dosen

weiterhin Nudeln, Hefezopf, Reiskuchen, Äpfel, Schokolade, Baguette, Cola 

 

 

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